Ein Tarantino-Fan bin ich eigentlich nicht. Aber mir gefällt die Idee, dass eigentlich jeder seiner Filme eine Liebeserklärung an das Kino ist. Und ich mag einige seiner Filme, zum Beispiel Pulp Fiction, Jacky Brown und die Kill-Bill-Filme. Reservoir Dogs ist mir ein bisschen zu brutal. Death Proof hab ich bislang nicht gesehen, steht auf der DVD-Ausleih-Liste. Und Inglourious Basterds hat mich anfangs nicht sonderlich gereizt. Doch weil nun alle so rumschwärmen, musste ich ihn ja anschauen.
Ganz ehrlich: Ich verstehe die Aufregung nicht.
Es ist ein typischer Tarantino-Film. Doch diesmal trug genau das dazu bei, den Film an mir vorbeiplätschern zu lassen. Die Dialoge waren zu lang. Und manchmal täuschten sie nicht nur vor, nichtssagend zu sein – sie waren es auch. Die Einteilung in Kapitel war für den Erzählfluss wie ein Hackebeil, mit dem man ein Bein abhackt. Insgesamt wurde ich als Zuschauer zu sehr auf Distanz gehalten. Es gibt bei Tarantino oft keine eindeutigen Indentifikationsfiguren, mit denen man mitfiebert und –leidet. Dennoch funktionieren diese Filme. Bei den Basterds fand ich das zu sehr auf die Spitze getrieben: Es war eigentlich egal, wer lebte und wer starb. Relativ teilnahmslos nahm man das Geschehen zur Kenntnis. Mal eher überrascht, vielleicht mal erschrocken – aber immer mit emotionaler Distanz. Tarantino hat sein Publikum bewusst aus dem Film herausgehalten und macht uns immer wieder bewusst: „Hallo, das ist ein Film – du sitzt vor einer Leinwand.“ Auch mit Verfremdungs-Elementen wie Kapiteleinblendungen und eingeblendeten Namenszügen.
Wirklich grandios war die Besetzung – Mike Myers einmal ausgenommen. Die schauspielerische Leistung fand ich fabelhaft, vor allem natürlich Christoph Waltz.
Alles in allem: Ein intelligent gemachter Film, der bei genauerer Betrachtung durch seine Machart und die Kombination der Einzelelemente fasziniert. Anders als frühere Filme konnte er mich jedoch nicht mitreißen. Es ergab kein packendes, spannendes Ganzes. Dafür war mir die Distanz, auf der ich als Zuschauer gehalten wurde, zu groß.
Ganz abgesehen davon: Ich mag keine Kriegs- und Soldatenfilme. Und bei den Basterds wimmelt es von Soldatenuniformen. Auch wenn der Blickwinkel und die Herangehensweise komplett anders sind – es bleiben Soldaten, Uniformen und Krieg.
Ok, und wahrscheinlich war es der Spannung abträglich, dass einige der Kritiken, die ich gelesen hatte, den kompletten Filminhalt samt Ende schon verraten hatten. Denn wenn ich den Trailer nochmal anschaue – eigentlich war der Film schon ok. Aber eben nicht so fantastisch, wie ich erwartet hatte.
Und jetzt geh ich wieder nähen